Die Konterrevolution (Der Kapp - Lüttwitz - Putsch) ... 1920

"Vom Reich zur Republik – Die Konterrevolution / Der Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920"

Zum Inhalt der DVD:

Themen / Lernbereiche:

  • Kapp-Lüttwitz-Putsch
  • Parteien in der Weimarer Republik
  • Die Anfänge des Nationalsozialismus

Der Kapp-Lüttwitz-Putsch
Nach der gescheiterten Revolution von 1918/1919 bleibt die Kommunistische Partei Deutschland (KPD) eine für die Republik unberechenbare Kraft. Erbittert bekämpft zu Beginn der 1920er Jahre auch die monarchistisch gesinnte Deutschnationale Volkspartei (DNVP) das parlamentarisch-demokratische System der Weimarer Republik. Radikaler Nationalismus und Antisemitismus sind Leitbilder der Deutschnationalen. Ihre innere Ablehnung gegenüber der Republik schlägt im März 1920 in offenen Widerstand um. Eine Verschwörergruppe um den ranghöchsten Reichswehrgeneral Walther von Lüttwitz und den ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp strebt mit einem Putsch die Errichtung eines diktatorischen Regimes an. Die Militäraktion scheitert allerdings nach wenigen Tagen an einem von Gewerkschaften und republiktreuen Parteien ausgerufenen und von Arbeitern nahezu einmütig befolgten Generalstreik. Den noch während des Kapp-Lüttwitz-Putsches begonnenen revolutionären Märzaufstand im Ruhrgebiet, in Sachsen und Thüringen schlagen Einheiten der Reichswehr - die sich während des Putsches von rechts noch abwartend verhielten - zusammen mit dem Freikorps blutig nieder. (www.dhm.de)

Auswirkungen auf die Weimarer Republik
Die Weimarer Republik übersteht ihre erste Zerreißprobe nahezu unbeschadet, allerdings tritt die Reichsregierung unter Gustav Bauer zurück. Neuer Reichskanzler wird im März 1920 der Sozialdemokrat Hermann Müller, dessen Kabinett jedoch nach der Reichstagswahl am 6. Juni 1920 von einer Koalition aus Zentrum, Deutsche Demokratische Partei (DDP) und Demokratische Volkspartei (DVP) unter Konstantin Fehrenbach abgelöst wird. Gleichzeitig löst sich mit dieser Reichstagswahl die provisorische Nationalversammlung auf. An ihre Stelle tritt der Reichstag, der sich in den nächsten Jahren vor allem mit dem sozialen Umbruch in Deutschland und mit alliierten Reparationsforderungen konfrontiert sieht. (www.dhm.de)

Fächer:
Geschichte, Sozialkunde / Politische Bildung, Gesellschaftslehre , Sekundarstufe II

Quellen:
Bundeszentrale für politische Bildung, Deutsches Historisches Museum (www.dhm.de) Die Deutschen und ihre Nation 04 , Weimar (Hagen Schulze Verlag Severin und Siedler), Meyers Lexikon Geschichte. www.historisches-lexikon-bayerns.de

Weiterführende Links:

http://www.bpb.de/geschichte/

http://www.dhm.de/lemo/home.html

http://www.historisches-lexikon-bayerns.de

Matthias Erzberger und die Verschwörer
Für die Bedienung der Staatsverschuldung (153 Milliarden Mark), die Erfüllung des Friedensvertrages von Versailles und vor allem für den Aufbau des neuen Staates und seiner Sozialpolitik benötigt die Republik enorme finanzielle Mittel. Reichsfinanzminister Matthias Erzberger schafft daher 1919/20 eine eigene Finanzverwaltung des Reiches (das bis 1918 von den Finanzzuweisungen der Bundesstaaten abhängig gewesen war) und gliedert das Steueraufkommen in Reichs-, Länder- und Gemeindesteuern.

Erzberger baut die Steuerverwaltung neu auf und legt mit seinen Reformen die Grundlagen für das noch heute vorhandene deutsche Steuersystem. Doch er macht sich auch Feinde. Der erbittertste unter ihnen: der Verleger Karl Helfferich.

Erzberger stellt gegen Karl Helfferich Strafantrag wegen Beleidigung durch polemische Zeitungsartikel und Schriften. Im darauffolgenden Prozess wird Helfferich zwar verurteilt, aber die Aussagen und Vorwürfe im Prozessverlauf diskreditieren Erzberger stark.

Am 26. Januar 1920 verübt der ehemalige Fähnrich Oltwig von Hirschfeld ein Schusswaffenattentat auf Finanzminister Matthias Erzberger, als dieser das Gerichtsgebäude in Berlin-Moabit verlässt. Erzberger wird leicht an der Schulter verletzt. Der Anschlag hinterlässt bei Erzberger einen tiefen Schock.

Aus dem Bundesarchiv:
„Der entlassene Offiziersanwärter Oltwig von Hirschfeld verübte am 26.1. auf den RFM (Reichsfinanzminister) beim Verlassen des Moabiter Gerichtsgebäudes ein Revolverattentat und verletzte den Minister durch einen Schulterschuss. Der Täter hatte der amtlichen Meldung zufolge an diesem Tag der Gerichtsverhandlung im Beleidigungsprozess gegen ... Helfferich beigewohnt und gab an, dabei die Überzeugung gewonnen zu haben, „dass Erzberger ein Schädling sei und beseitigt werden müsse".

Quelle:
http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/bau/bau1p/kap1_2/kap2_157/para3_1.html

Wer wirklich hinter dem Attentat steckt, lässt sich nie klären. Es gibt einige, die Matthias Erzberger nach dem Leben trachten.

Die Verschwörergruppe "Nationale Vereinigung" zum Beispiel, die eine Militärdiktatur anstrebt, um den Versailler Vertrag auszuhebeln. Zu ihr zählen General Ludendorff, General Walther von Lüttwitz, dem die mitteldeutschen und ostelbischen Reichswehrverbände sowie die meisten Freikorps unterstehen, Hauptmann Waldemar Pabst, der die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts zu verantworten hat, Traugott von Jagow, der letzte kaiserliche Polizeipräsident von Berlin, und Wolfgang Kapp, ostpreußischer Generallandschaftsdirektor und Mitglied der DNVP (Deutschnationale Volkspartei).

Stichworte:
Matthias Erzberger (1875-1921), deutscher Politiker, Zentrumspartei, unterzeichnete als Bevollmächtigter der deutschen Regierung das Waffenstillstandsabkommen 1918
Walther Freiherr von Lüttwitz (1859-1942), preußischer General
Karl Helfferich (1872-1924), Verleger, Nationalökonom, Politiker, 1920–1924 Vorstandsmitglied der DNVP
Waldemar Pabst (1880-1970), Generalstabsoffizier der Gardekavallerie-Schützen-Division und mitverantwortlich für die Morde an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Geschäftsführer der „Nationalen Vereinigung"
Erich Ludendorff (1865-1937), deutscher Heerführer, General
Wolfgang Kapp (1858-1922), Politiker
Traugott von Jagow (1865-1941), 1909-1916 Polizeipräsident von Berlin, Regierungspräsident in Breslau

Vertrag von Versailles (http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/versailles/index.html)

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Die Frauen und das Elend
Hunger, soziales Elend und Wohnungsnot prägten in den Anfangsjahren der Weimarer Republik das Alltagsleben der Deutschen. Die Lebensmittelrationierung wird nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland nur allmählich abgebaut: 1919 zuerst für Eier und Fisch, anschließend für Kartoffeln und Fleisch, Monate später erst für Brot, Getreide, Butter und Milch. Hamsterfahrten und Schlangestehen gehörten zum Alltagsbild in den Großstädten, Lebensmittelkarten sind weiterhin unentbehrliches Requisit des täglichen Überlebens.

In vielen Familien fehlen nach dem Krieg die Männer und die Frauen müssen den alltäglichen Kampf ums Überleben alleine bewältigen.

Seit 19. Januar 1919 können Frauen erstmals ihr Wahlrecht zur Verfassung gebenden deutschen Nationalversammlung ausüben. Einen Monat später, am 19. Februar 1919 spricht zum ersten Mal eine Frau vor einem deutschen Parlament. Es ist Marie Juchacz, die vor die Nationalversammlung in Weimar tritt: "Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf (...), dass wir Frauen dieser Regierung nicht etwa (...) Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit; sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist." Der Nationalversammlung gehört sie bis 1920 an. Sie leitet die Frauenzeitung „Die Gleichheit."
Neben ihrer aktiven politischen Arbeit, vor allem in der Berliner Sozialdemokratischen Frauenbewegung, beteiligt sie sich maßgeblich an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt, deren Vorsitzende sie bis 1933 ist.

http://archiv.spd-berlin.de/geschichte/personen/a-k/juchacz-marie/

Stichworte:
Marie Juchacz (1879-1956), deutsche SPD-Politikerin und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt Nationalversammlung

Frauenwahlrecht (http://www.lpb-bw.de/12_november.html), http://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35265/weimarer-republik)

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Kriegsverbrecher
Gemäß dem Versailler Vertrag fordern die Alliierten die Auslieferung von 895 deutschen Kriegsverbrechern, unter ihnen Politiker und Militärs. Sie fordern die Auslieferung von Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff.

Die Reichsregierung lehnt die Auslieferung ab. Sie bietet die Einleitung eigener Ermittlungsverfahren an. Nach erfolgter Zustimmung werden am 24. März in Leipzig zwölf wenig prominente Angeklagte vor Gericht gestellt.

Stichworte:
Gustav Noske (1868-1946), deutscher Politiker (SPD), Reichswehrminister
Erich Ludendorff (1865-1937), deutscher Heerführer, General
Paul von Hindenburg (1847-1934), deutscher Generalfeldmarschall und Reichspräsident

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Die Deutschnationalen und der Antisemitismus
Die Deutschnationalen verweigern jegliche Zusammenarbeit mit Juden aus der Industrie, dem Bankwesen und der Wissenschaft.
Judenhass wurzelt in Deutschland – wie in anderen europäischen Ländern auch – im jahrhundertealten christlichen Antijudaismus. Dieser hat sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Antisemitismus entwickelt. Der europäische Antisemitismus steigert sich bis zu der Behauptung einer jüdischen Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft.

Stichworte:
Walther Freiherr von Lüttwitz (1859-1942), preußischer General
Karl Helfferich (1872-1924), Nationalökonom, Politiker, 1920–1924 Vorstandsmitglied der DNVP
Waldemar Pabst (1880-1970), Generalstabsoffizier der Gardekavallerie-Schützen-Division und mitverantwortlich für die Morde an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Geschäftsführer der „Nationalen Vereinigung"

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Propaganda
Die "Neue Preußische Zeitung" ist eine konservative Zeitung des Verlegers Karl Helfferich, deren Propaganda viele Menschen in der Weimarer Republik fürchten. Ihr Emblem ist das 1813 gestiftete Eiserne Kreuz, das Ausdruck eines christlich verstandenen Abwehrkampfes gegen Napoleon und das revolutionäre Frankreich war. Die Parole des daher auch "Kreuzzeitung" genannten Blattes lautet denn auch "Mit Gott für König und Vaterland".

Stichworte:
Neue Preußische Zeitung
Karl Helfferich (1872-1924), Nationalökonom, Politiker, 1920-1924 Vorstandsmitglied der DNVP, Verleger

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Die Verschwörer
Artikel 160 des Versailler Vertrags verfügt die Reduzierung des deutschen Heers auf 100.000 Berufssoldaten und die Auflösung der aus Freiwilligen bestehenden Freikorps. Putschbestrebungen frustrierter und von der Entlassung bedrohter Freikorpsoffiziere treffen mit den Umsturzplänen der Deutschnationalen zusammen.

Einer Anweisung der Interalliierten Militärkontrollkommission folgend, löst Reichswehrminister Gustav Noske am 29. Februar 1920 die 6.000 Mann starke Marinebrigade von Hermann Erhardt und das Freikorps Loewenfeld auf.

Wilhelm Canaris arbeitet als Adjutant von Reichswehrminister Gustav Noske, sympathisiert allerdings mit den Verschwörern um Lüttwitz und Kapp.

http://www.historisches-lexikon-bayerns.de

Stichworte:
Erich Ludendorff (1865-1937), deutscher Heerführer, General
Wolfgang Kapp (1858-1922), Politiker
Traugott von Jagow (1865-1941), 1909-1916 Polizeipräsident von Berlin, Regierungspräsident in Breslau
Wilhelm Canaris (1887-1945), U-Bootkommandant, Deutscher Admiral

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Terrorismus
In den ersten Jahren der Republik werden nicht nur auf Matthias Erzberger, sondern auch auf zahlreiche prominente Kommunisten, Sozialdemokraten, liberale und katholische Demokraten politisch, zum Teil auch antisemitisch motivierte Mordanschläge verübt. Die Täter sind fast ausnahmslos ehemalige oder aktive junge Reichswehroffiziere bzw. Freikorpsleute und gehören in der Regel zur deutschvölkischen Szene. Werden sie gefasst, kommen sie meist mit verhältnismäßig milden Strafen davon.

(siehe oben: Matthias Erzberger und die Verschwörer)

Stichworte:
Matthias Erzberger (1875-1921), deutscher Politiker, Zentrumspartei, unterzeichnete als Bevollmächtigter der deutschen Regierung das Waffenstillstandsabkommen 1918

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Der Prozess
Seine Verwundung hielt Matthias Erzberger nicht davon ab, den Prozess gegen Karl Helfferich fortzuführen. Doch die Prozessführung war gegen Erzberger eingenommen und das Urteil des Berliner Landgerichtes stellte letztendlich fest, Erzberger habe sich in drei Fällen des Meineids und in sieben Fällen der Verquickung persönlicher und politischer Interessen schuldig gemacht.

Karl Helfferich wurde zwar verurteilt, aber die Geldstrafe war sehr niedrig, denn die Richter hielten ihm „vaterländische Motive" zugute. Für die Öffentlichkeit bleibt Helfferich der Sieger. Erzberger ist moralisch und politisch ruiniert.

(Quelle: Die Deutschen und ihre Nation, Weimar, Hagen Schulze)

Stichworte:
Matthias Erzberger (1875-1921), deutscher Politiker, Zentrumspartei, unterzeichnete als Bevollmächtigter der deutschen Regierung das Waffenstillstandsabkommen 1918
Karl Helfferich (1872-1924), Verleger, Nationalökonom, Politiker, 1920-1924 Vorstandsmitglied der DNVP, Verleger

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Erfüllung des Versailler Vertrages
Nach den Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages soll bis zum 31. März – nach einer Fristverlängerung bis zum Jahresende – das Heer auf 100.000, die Marine auf 15.000 Mann verkleinert werden. Rund 300.000 Reichswehrangehörige und Freikorpsleute stehen vor der Entlassung. Die meisten klammern sich an das Militär, das ihnen Halt gibt. Zu den ersten Freikorps, deren Auflösung Reichswehrminister Gustav Noske am 29. Februar verfügt, gehört die in Döberitz stationierte, 6.000 Mann starke, von dem Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt geführte Marinebrigade 2.

Stichworte:
Versailler Vertrag
Gustav Noske (1868-1946), deutscher Politiker (SPD), Reichswehrminister